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Frederic William Burtons Hellelil und Hildebrand

Liebe auf der Treppe des Schicksals

Es gibt Gemälde, die durch ihre Größe oder Farbenpracht beeindrucken, und es gibt solche, die leise wirken, beinahe zurückhaltend – und gerade deshalb lange im Gedächtnis bleiben. Frederic William Burtons Hellelil and Hildebrand, the Meeting on the Turret Stairs aus dem Jahr 1864 gehört eindeutig zur zweiten Kategorie. Dieses Werk schreit nicht nach Aufmerksamkeit. Es flüstert. Und doch entfaltet es eine emotionale Intensität, die den Betrachter nicht mehr loslässt.

Das Bild zeigt keinen dramatischen Höhepunkt, keinen Kampf, keinen Tod. Stattdessen hält es einen stillen Moment fest: das heimliche Treffen zweier Liebender auf einer engen Treppe. Genau diese Zurückhaltung macht das Werk zu einem der eindrucksvollsten Liebesbilder des 19. Jahrhunderts – und zu einem der beliebtesten Gemälde Irlands.

Nachdruck bei ARTLIA: Leinwand - Frederic William Burton, Hellelil und Hildebrand

1. Der Künstler: Frederic William Burton

Frederic William Burton (1816–1900) war ein irischer Maler, Zeichner und Kunsthistoriker. Im Gegensatz zu vielen seiner Zeitgenossen ist Burton kein Künstler mit einem umfangreichen Œuvre, das in Museen auf der ganzen Welt vertreten ist. Sein Ruhm gründet sich vielmehr auf wenige, dafür außergewöhnlich sorgfältig ausgearbeitete Werke – allen voran Hellelil und Hildebrand.

Burton wurde zunächst als Miniatur- und Aquarellmaler ausgebildet. Diese frühe Schulung prägte seinen Stil nachhaltig: extreme Präzision, feine Linienführung und eine kontrollierte, fast meditative Farbgebung. Später wurde Burton Direktor der National Gallery in London – ein Hinweis auf seine enorme kunsthistorische Kompetenz und seinen geschulten Blick.

Gerade dieses Gemälde zeigt, wie sehr Burton an der Grenze zwischen erzählerischer Kunst und emotionaler Verdichtung arbeitete. Er wollte nicht schockieren oder überwältigen, sondern berühren.

2. Die literarische Quelle: Eine mittelalterliche dänische Ballade

Die Geschichte von Hellelil und Hildebrand stammt aus einer mittelalterlichen dänischen Volksballade. Diese Balladen waren mündlich überlieferte Erzählungen, in denen Liebe, Ehre, Gewalt und Schicksal zentrale Rollen spielten.

Hellelil ist die Tochter eines adligen Herrn, Hildebrand ihr persönlicher Leibwächter. Zwischen beiden entwickelt sich eine verbotene Liebe, da Hildebrand nicht standesgemäß ist. Als der Vater davon erfährt, befiehlt er Hellelils sieben Brüdern, Hildebrand zu töten. In der Ballade kommt es zu einem blutigen Kampf, den Hildebrand zunächst gewinnt – doch am Ende stirbt er an seinen Verletzungen, und Hellelil folgt ihm in den Tod.

Burton entscheidet sich bewusst gegen die Darstellung dieser Brutalität. Er wählt stattdessen den Moment davor: das heimliche Treffen auf der Turmtreppe, kurz bevor das Schicksal seinen Lauf nimmt.

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Nachdruck bei ARTLIA: Leinwand - Frederic William Burton, Hellelil und Hildebrand

3. Der Titel und seine Bedeutung

Der vollständige Titel des Werkes lautet:

„Hellelil and Hildebrand, the Meeting on the Turret Stairs“

In deutschsprachigen Kontexten wird das Bild fast ausschließlich „Hellelil und Hildebrand“ genannt. Diese Reduktion ist kein Zufall. Die Namen allein genügen, um die tragische Geschichte anzudeuten. Der Untertitel beschreibt zwar präzise die Szene, ist jedoch in der Rezeption zweitrangig.

Bemerkenswert ist das Wort Meeting. Es geht nicht um Liebe im Allgemeinen, sondern um ein Treffen – zeitlich begrenzt, räumlich eingeschränkt, möglicherweise zum letzten Mal.

4. Der Ort: Die Treppe als Symbol

Die Turmtreppe ist mehr als nur ein architektonisches Element. Sie ist ein Übergangsraum: weder oben noch unten, weder öffentlich noch privat. Genau darin liegt ihre symbolische Kraft.

Hellelil und Hildebrand befinden sich buchstäblich „dazwischen“. Ihre Beziehung ist weder legitim noch vollständig verborgen. Die enge Treppe verstärkt das Gefühl von Nähe, aber auch von Enge und Ausweglosigkeit. Es gibt keinen Platz für große Gesten. Alles ist reduziert – auf Berührung, Blick und Haltung.

5. Bildkomposition und Körpersprache

Das Gemälde ist vertikal angelegt, was die Höhe und Enge der Treppe betont. Hellelil steht leicht erhöht, Hildebrand tiefer. Diese Anordnung verweist subtil auf den sozialen Unterschied zwischen beiden.

Hildebrand hält Hellelil behutsam, fast schützend. Sein Gesichtsausdruck ist ruhig, aber ernst. Er scheint sich seiner Lage bewusst zu sein. Hellelil lehnt sich an ihn, ihr Blick ist gesenkt, ihre Haltung angespannt. Die Nähe der beiden wirkt intim, aber nicht unbeschwert.

Es gibt keine Bewegung, keinen Kuss, kein Lächeln. Und genau das macht die Szene so eindringlich. Alles Wesentliche spielt sich im Inneren der Figuren ab.

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6. Farbe, Technik und Material

Obwohl es sich um ein Aquarell handelt, besitzt das Werk eine erstaunliche Farbtiefe. Burton arbeitete mit Aquarell und Gouache in vielen feinen Schichten. Das Ergebnis ist eine Oberfläche, die fast an Ölmalerei erinnert, ohne deren Schwere zu besitzen.

Die Farbpalette ist gedämpft: Grau- und Brauntöne dominieren, die Kleidung ist dunkel, der Stein der Treppe kühl. Dadurch wird die Haut Hellelils und das rötliche Haar subtil hervorgehoben. Nichts wirkt zufällig. Jede Farbe dient der emotionalen Konzentration.

7. Liebe, Verbot und Schicksal

Im Kern handelt das Bild von einer Liebe, die nicht sein darf. Doch Burton moralisiert nicht. Er zeigt keine Schuld, keinen Zorn, keinen offenen Konflikt. Stattdessen zeigt er einen Moment der Nähe, der bereits von Verlust durchzogen ist.

Das macht das Werk zeitlos. Auch heutige Betrachter erkennen in dieser Szene Erfahrungen wieder: Beziehungen, die an äußeren Umständen scheitern, Entscheidungen, die unausweichlich erscheinen, und Augenblicke, in denen man spürt, dass etwas endet, bevor es richtig beginnen konnte.

8. Warum dieses Bild so beliebt ist

Hellelil und Hildebrand gilt als eines der beliebtesten Gemälde Irlands. Dafür gibt es mehrere Gründe:

  1. Emotionale Zugänglichkeit
    Das Bild ist leicht zu lesen, aber schwer zu vergessen.

  2. Erzählerische Tiefe
    Die Geschichte wird nicht erzählt, sondern angedeutet.

  3. Formale Klarheit
    Die Komposition ist streng, ruhig und ausgewogen.

  4. Reproduzierbarkeit
    Das Motiv funktioniert hervorragend als Druck, Poster oder Buchillustration, ohne an Wirkung zu verlieren.

9. Das Bild heute betrachten

In einer Zeit schneller Bilder und kurzer Aufmerksamkeitsspannen fordert dieses Gemälde etwas Seltenes: Geduld. Es lädt dazu ein, stehen zu bleiben, genauer hinzusehen, die Stille auszuhalten.

Burton zwingt den Betrachter nicht zu einer Interpretation. Er bietet Raum – für eigene Erinnerungen, eigene Verluste, eigene unerfüllte Wünsche. Vielleicht liegt genau darin die anhaltende Kraft dieses Werkes.

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Schlussgedanken

Hellelil and Hildebrand, the Meeting on the Turret Stairs ist kein lautes Meisterwerk. Es ist ein stilles. Frederic William Burton hat mit diesem Bild gezeigt, dass große Kunst nicht im Spektakel liegt, sondern in der Verdichtung menschlicher Erfahrung.

Die Turmtreppe, auf der Hellelil und Hildebrand sich begegnen, ist ein Ort zwischen Hoffnung und Gewissheit, zwischen Nähe und Abschied. Jeder, der dieses Bild betrachtet, erkennt darin vielleicht einen eigenen Moment wieder – einen Augenblick, in dem alles möglich schien und doch bereits entschieden war.

Und vielleicht ist genau das der Grund, warum dieses Gemälde auch nach mehr als 150 Jahren nichts von seiner Wirkung verloren hat.


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